Olympia Fischeln

Dieser Artikel wurde von Stadtoberamtmann i.R. Herrn Ludwig Blum am 10.09.1994 geschrieben und dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Die "Deutsche Jugendkraft" speziell unsere DJK Olympia Fischeln.

 

Vielleicht ist es ganz gut, wenn wir uns die kath. Sportbewegung überhaupt einmal näher ansehen. Schon weit vor dem 1. Weltkrieg begann man in den bestehenden kath. Jugendorganisationen sich um den Sport zu kümmern. Es gibt DJK-Vereine, die das Gründungsjahr 1903 tragen. Bald schon war man bemüht, die vorhandenen Bestrebungen in einem Zweckverband für Sportpflege in kath. Vereine zusammenzufassen. Auf einer Generalversammlung des kath. Jugendvereinspräsides in Hildesheim wurden die Leitsätze für diese Bewegung festgelegt.

 

"Die Jugendpflege sieht in geregelten körperlichen Übungen (Turnen, Sport, Spiel, usw.) einen wichtigen Faktor der Jugendpflege. Sie erkennt in der körperlichen Ertüchtigung aber nur einen Teil der Jugendpflege an, welcher dem Gesamterziehungsziel unbedingt eingefügt und höheren Zwecken untergeordnet werden muß. Sie ist der Überzeugung, dass die Jugendpflege, wie jede Erziehung, auf religiössittlicher Grundlage aufgebaut sein sollte."

 

Im September 1920 erfolgte die offizielle Gründung der "Deutschen Jugendkraft" Reichsverband für Leibesübung in kath. Vereinen. Der erste Präses war Generalpräses Mosterts. Nach seinem frühen Tod im August 1926 wurde der geistliche Studienrat Ludwig Wolker der neue Gerneralpräses. Unter ihm nahm der DJK Verband nicht nur kraftvollen Aufschwung, sondern der Verband gewann nach innen eine immer klarere Profilierung als Zweckverband für die Sportpflege der kath. Vereine.
Die hoffnungsvolle Entwicklung des Sports in katholischer Gemeinschaft wurde jäh unterbrochen durch die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Im Juli 1933 wurde die "Deutsche Jugendkraft" auf Anordnung des Reichssportführers in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert.

Die DJK war nicht damit einverstanden.

 

Trotz Gegenwehr der DJK-Führer, allen voran Generalpräses Wolker, wurde die Deutsche Jugendkraft aufgelöst und verboten.
Wenn nach dem letzten Krieg nach und nach an allen Orten die DJK-Vereine wieder auferstanden, ist das doch ein Zeichen dafür, wie ernst es die katholischen Sportler mit dieser religiös gebundenen DJK gemeint haben. Tatsache ist, dass die DJK von kath. Menschen gegründet und mit Leben erfüllt wurde.

 

Foto1Das gilt heute umsomehr, als nicht nur der Priester allein Repräsentant der Kirche ist, sondern auch die Laienarbeit stark in den Vordergrund treten soll. Die Führer und Mitarbeiter in den DJK-Vereinen üben ein solches Laienapostolat aus. Der DJK-Verband hat ein Apostolat im ganzen deutschen Sport, umsomehr, als die Spitzen des DJK-Bundes im deutschen Sport wichtige Stellungen einnehmen.

Nach dem Kriege hatte man erkannt, dass man sich als katholischer Sportler nicht abkapseln kann, dass man mitten im deutschen Sportgeschehen mehr für die katholische Sache tun kann, als wenn man sich als Mauerblümchen außerhalb des Sportgeschehens stellen würde. Diese Regelung bedeutet aber nicht, dass der DJK-Sportverein aus der kath. Jugend ausgeschieden ist. Der jeweilige Jugendpräses ist und bleibt immer noch der geistliche Beirat des örtlichen DJK-Vereins. Vergessen sollt man nicht, dass bei dieser Neuorganisation des Deutschen Sportbundes der frühere Generalpräses der DJK, Prälat Ludwig Wolker, einen großen Anteil hatte.

Willi Daume, der Präsident des Deutschen Sportbundes, sagte: Prälat Ludwig Wolker verdient größte Bewunderung, weil er der Einheit des Sports zuliebe, die DJK in den allgemeinen Deutschen Sportbund integriert hat. Ludwig Wolker hat nach 1945 auf die Wahrnehmung berechtigter Eigeninteressen verzichtet. Die DJK war ja Nazi-verfolgte und hätte als solche Sonderwünsche erfüllt bekommen. Ludwig Wolker hat zu Gunsten des gesamten deutschen Sportes darauf verzichtet, um des Sportes Willen. Was man heute leider allzu gern vergißt. Darüber hinaus ist Prälat Wolker zum Vater der Satzungen des Deutschen Sportbundes geworden. Der Generalpräses des DJK Verbandes, Prälat Ludwig Wolker, selbst rief am 10.12.1950 die Gründung des Deutschen Sportbundes aus. Auch das hat man allzugern vergessen.

Nun aber zur DJK Olympia

Unterlagen über die Anfänge der DJK Olympia 1926 gibt es nicht mehr. Als 1934 der DJK Verband mit all seinen Vereinen von den Nazis verboten wurde, da wurden alle vorhandenen Unterlagen, Papiere, Listen usw. vernichtet. Es sollt niemand in Gefahr kommen, weder die die mit den Unterlagen zu tun hatten, noch wollte man die Namen der Mitglieder preisgeben. Jedoch diese Zeit unserer Jugend ist nicht ganz aus unserem Gedächtnis entschwunden.

Alte Fotos halfen Lücken auffüllen.

Ja und dann tauchte ein altes Geschäftsbuch auf und sogar eine Tischfahne hatte den Trubel irgendwie überstanden. So ist denn doch mehr an Material zusammengekommen als erwartet und eine fast lückenlose Geschichte der DJK Olympia ist entstanden.

 

Es war einmal, so fangen alle Märchen an, aber auch alle Tatsachen.

Es war Anfang des Jahres 1926 als junge Menschen aus der katholischen Jugend der Pfarre St. Clemens die Sportabteilung DJK Olympia gründeten. Es gab schon Vorläufer:

  • eine Turnabteilung war bereits 1907 
  • eine Wanderabteilung 1912
  • und die Fußballabteilung Unitas 1920 gegründet worden

Die Gründer der Sportabteilung DJK Olympia entstammten zu einem großen Teil diesen Vorläufern. Hauptbetätigungsfeld dieser neuen Abteilung waren Handball und Leichtathletik.

 

Geistlicher Beirat war 1926 Kpl. Wilh. Rheindorf, ab 1927 Kpl. Peter Pohen, ab 1932 Kpl. Josef Platzbecker.

  • Präfekt war Heinrich Haus 
  • Vorsitzender: Cornelius Lethen
  • Geschäftsführer: Willi Gober
  • Kassierer: Theodor Hilgers
  • Trainer: Max Röttges
  • Spielführer: Heinz Crefeld und Ludwig Blum
 

Leider hat der Zahn der Zeit an diesem Gründerkreis stark genagt. Nur einer, nämlich der 85 jährige Ludwig Blum, ist übrig geblieben.

Diese begeisterten, von Idealismus getragenen jungen Männer schufen einen leistungsfähigen Sportverein in dem aber nicht das Siegen, sonder das faire Spiel groß geschrieben wurde. Unter ihrem geistlichen Beirat Kpl. Peter Pohen führten die jungen Fischelner Katholiken ihren DJK-Sportverein in eigener Regie. Sie machten die DJK-Grundsätze zu ihren eigenen Grundsätzen. In der DJK ist der Sport nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel ausgerichtet auf die vollkommene und ausgewogenen Erziehung junger Menschen in seiner Gesamtheit von Leib und Seele. Durch Leibesertüchtigung erstrebt die DJK die Erziehung zum charakterfesten Christen. Grundidee war immer der Gedanke, jungen Menschen bei ihrem Streben an Körper und Seele gesund heranzuwachsen, zu helfen. Der Sport kann und soll dem Menschen nützlich und heilsam sein. Sport in der DJK-Gemeinschaft trägt zur Entfaltung der Persönlichkeit in christlicher Gemeinschaft bei.

Die DJK Olympia begann 1926 gleich mit 4 Mannschaften, 2 Senioren-, 1 Jugend- und 1 Schülermannschaft, dazu kam noch eine Reihe von leichtathletikbegeisterten jungen Menschen.

Unsere ersten Trainingsspiele fanden in Fichtenhain statt. Es war ein recht buntes Bild. Als Trikots hatten wir uns die grünen Wanderkittel von der Wanderabteilung geborgt. Man sah sogar lange weiße Hosen der Turnabteilung. Das dauerte nicht allzu lange, recht bald hatte sich jeder selbst das entsprechende Trikot angeschafft. Aber es herrschten strenge Sitten. Die Trikots mußten Ärmel haben,wenigstens kurze. Jeder 2. Sonntag war spielfrei für Kirchenbesuch und Versammlung. Der anschließende Frühschoppen fand dann bei Finck Sofie statt. An jedem Dienstag bei Finck Spielausschußsitzung bei anschließendem Skat und gemütlichen Umtrunk wurde es meist recht spät.
 

Zwei Beine hatte die DJK Olympia, da war einmal die Leichtathletik und da war zum anderen der Handballsport. Die Leichtathleten waren recht aktiv. Bereits im September 1926 Sportfest mit Werbelauf in Fischeln,1927 Sportfest und Vereinsmeisterschaften in Fischeln
1928 Teilnahme an einem Sportfest in Krefeld
1928 Schüler- und Jugendsportfest mit Propagandafestzug durch Fischeln.Sensation war, dass Schüler und Jugendliche erstmals in Sportkleidung am Gottesdienst teilnahmen. Das hatte es in Fischeln noch nicht gegeben!
1928 weiter noch Teilnahme an Sportveranstaltungen in Neersen, Lank und Viersen. Ähnlich ging es in den Jahren 1929 - 1934 zu. Unsere Leichtathleten brachten zwar keine Weltrekorde auf die Beine, aber sie mischten in unserem Bereich ganz schön mit. 1931 fanden in Krefeld DJK-Vergleichskämpfe statt.

Es waren dabei:

  • DJK Westwacht
  • DJK Borussia
  • DJK Rheinstern
  • DJK Adler Königshof
  • DJK Olympia

Die Olympianer schnitten gut ab. DJK Olympia und DJK Rheinstern hielten gemeinsam die Spitze mit 48,5 Punkten. Höhepunkt war wohl die Teilnahme am DJK Reichstreffen 1932 in Dortmund im Stadion Rote Erde. Über 15 Teilnehmer fuhren mit Eisenbahn, Dixi (einem klitze kleinen Auto) und mit dem Fahrrad nach Dortmund. 6000 aktive Teilnehmer und 50000 Zuschauer waren für die damalige Zeit schon recht attraktiv. (Eröffnung durch Generalpräses Wolker und Reichskanzler Brüning!).

1932 verloren die Olympianer einen Förderer, ja einen Freund. Der geistliche Beirat Kpl. Peter Pohen, ein begeisterter Bergsteiger, stürzte im Karwendelgebirge bei Mittenwald tödlich ab. Er wurde in Fischeln zu Grabe getragen. Die Beteiligung der Fischelner war wohl die Größte bis Dato überhaupt. Sein Nachfolger, Kpl. Platzbecker machte in seinem Sinne weiter. Bei aller Sorge um das religiöse Legen zeigten die Herren reges Interesse am Sport in der Olympia. Bei vielen Spielen, auch auswärtigen, sah man sie als Zuschauer dabei - wie wir alle per Fahrrad.

Die Leichtathletik war das eine Bein; von dem anderen Bein, dem Handballsport ist auch einiges zu berichten.
In allen Mannschaften herrschte eine sehr gute Kameradschaft, vor allem Opferbereitschaft. Das zeigte sich besonders in den Zeiten der Arbeitslosigkeit. Wer finanziell nicht mit konnte, der wurde einfach mit durchgezogen. Es war selbstverständlich, dass alle zusammen Handball spielten und auch alle zusammen feierten. Zuerst wurden alle Fahrten zu den Spielen mit dem Fahrrad absolviert. Auch in die weitere Umgebung Lank, St. Hubert, Kaldenhausen, Viersen und Rheydt. Später mit dem Auto, mit Steifes-Bier-Kastenwagen. Wir stellten einfach Bänke rein und ab ging die Fahrt. Der erste Fischelner Busunternehmer Ferd. Kamp stellte dann einen Bus zur Verfügung. Die Kosten trugen die Spieler, die Geld zur Verfügung hatten. Wie auch alle Kosten für Trikots, Schuhe usw. die Spieler selber trugen. Also Amateure reinsten Wassers.
Der Anfang war eigentlich recht erfolgreich. Bereits am 04.07.1926 siegte die erste Mannschaft in Friemersheim. Es ging immer aufwärts. Es gab gute sehenswerte Spiele in der Gauklasse gegen Mönchengladbach, Viersen und nicht zu vergessen gegen Treudeutsch Lank. Mit den Lankern bestand eine herzliche Freundschaft. Der Lanker Torwart hatte sich sogar ein Fischelner Mädchen zur Frau erkoren. Und eben dieser Torwart hatte ein Malheur, das Olympia den Sieg brachte. Es stand kurz vor Schluß 5 : 5. Olympia startete zum letzten Angriff auf das Lanker Tor. Der Schuß kam und wurde zum siegbringenden Tor. Der Lanker Torwart mußte mit bleichem Gesicht und einem Bauch voller Wut zuschauen. Denn genau in diesem Augenblick platzte der Gummi seiner Hose. Er konnte nichts machen, er mußte seine Hose halten.
Zahlreiche Zuschauer besuchten die Spiele auf dem Platz an Schlungskull. Es gab noch keine Umkleideräume. Man war noch genügsam. Man zog sich im Ort im Vereinsheim um (zumeist eine Gaststätte) und zog dann geschlossen mit einem frischen Lied auf den Lippen zum Sportplatz und auch wieder zurück. Bei einem wichtigen Spiel in Viersen sollte das Ergebnis so schnell wie möglich nach Fischeln kommen. Telefon gab es noch wenige und war auch zu teuer. Wir nahmen eine Brieftaube mit. Leider hat es nicht geklappt. Die Taube kam erst am Montag an; die muß zu Fuß gegangen sein. Ja, Handballspielen das konnten wir, aber von Tauben da verstanden wir nichts.Die Handballmannschaften, Senioren wie auch Junioren, schoben sich leistungsmäßig immer mehr in den Vordergrund.

Max Röttges, Heinz Crefeld, Willi Holzapfel und andere wurden in Auswahlmannschaften und Stadtmannschaften berufen.

Etwa 1929 wurde die Absicht kund, größere Sportfahrten durchzuführen. Rhein und Ahr waren die Ziele. Fast 2 Jahre gingen Heinz Crefeld, Heinrich Schleier und Ludwig Blum rund, um wöchentlich 25 Pfg. bei den Mitgliedern zu kassieren. Damit die Fahrten finanziert und überhaupt möglich gemacht werden konnten. Geld war wirklich Mangelware damals.1931 war es dann wirklich soweit. Die "Erste" fuhr an den Rhein. Vergleichskämpfe wurden ausgetragen in Rüdesheim und Bingerbrück. Aber auch das fröhliche Rheinleben wurde genossen. Abends spät auf der Rheinpromenade, ungestüme, nicht verbrauchte Kraft trieben Waldhoff Jupp, Dömkes Gottfried und noch einige dazu, jeweils zu zweit die Riesen Blumenkübel vom Sockel zu heben und fein säuberlich daneben zu stellen. Als es nach einer Weile wieder zurück ging, da wunderte man sich. Alle Blumenkübel standen wieder an Ort und Stelle. Das Rätsel wurde erst zu Hause gelöst. Cornelius Lethen, ein Mann von Grundsätzen und Charakter hatte das nicht ansehen können. Allein hat er wieder aufs Podium gehoben, was zwei herunter gehoben.

 

Die 2. Mannschaft fuhr 1931 nach Remagen und machte von dort aus das Ahrtal mitsamt den Weinbergen unsicher. Es war ein toller Ausflug, dabei für die meisten von uns das erste Mal so weit vom Fischelner Kirchturm entfernt.

Die Umkleidelokale waren fast immer in Gaststätten. Das hatte schon seine Vor- sicherlich auch Nachteile. Die Mannschaften blieben nach dem Spiel länger zusammen und es entstand mancher "Landtag". Eine solche Gaststätte in Anrath zeichnete sich durch 2 nette und reizende Wirtstöchter aus. Hier kamen die Olympianer nie ohne irgendeine Verlobung heraus. Zur Heirat aber hat es nie nicht gelangt. Die Verlobungen waren immer Eintagsfliegen.

Die DJK Abteilung Olympia wuchs und gedieh. Gute Kameradschaft half über Schwierigkeiten hinweg. Es ging nicht darum Rekordspezialisten zu produzieren, Breitensport und dabei sein, das war die Parole. Leider wurde diese so glückliche Entwicklung jäh unterbunden. Der DJK Verband wurde 1934 mit allen Vereinen vom Nationalsozialismus aufgelöst und verboten.

  • 1934 Erschießung des DJK Reichsführeres Adalbert Probst
  • 1935 Verhaftung von DJK Generalpräses Wolker
  • 1936 Verhaftung von 51 Priestern und Laienhelfern der DJK

Der DJK Sport war tot.

Die DJK Olympia zählte 1934 etwa 100 aktive Handballer in 7 Mannschaften. Hinzu kam die rege Leichtathletikgruppe und ein treuer Stamm von passiven Mitgliedern (2 Senioren-, 2 Jugend-, 2 Schülermannschaften, 1 Alte-Herrenmannschaft und die Leichtathletikabteilung).
Die 1. Seniorenmannschaft gehörte 1933 / 1934 zu dem Spitzenmannschaften der Gauklasse, der höchsten Klasse in der DJK. Unsere A- und B- Jugendmannschaften waren Spitzenreiter in ihren Klassen.

Aber leider war alles vorbei.

Foto2Die für die DJK bis dahin eifrigsten jungen Leute schlossen sich zu einem Kegelklub zusammen. Sie lehnten es ab sich anderen zugelassenen Sportverbänden oder gar Wehrverbänden anzuschließen. Die Olympianer wollten nicht unter anderem Vorzeichen Sport betreiben. Sie zogen sich aus dem Sport zurück, wollten die geschlossenen Freundschaft jedoch nicht aufgeben und gründeten den Kegelclub. Zum Trotz und unter einem gewíssen Risiko wieder unter dem Namen "Olympia". Die DJK zählte mit zu den Hauptfeinden des Nationalsozialismus. DJK-Eigentum wurde, soweit es gefunden, beschlagnahmt. Nur man fand nichts. Vorhandene Unterlagen wurden rechtzeitig vernichtet. Niemand sollte irgendwie in Gefahr kommen.

Der 2. Weltkrieg hat auch unter den Freunden der DJK Olympia Opfer gefordert. Viele sind gefallen. Einer von uns, Waldhoff Josef, kam bereits 1938 bei einer eigentlich harmlosen Auseinandersetzung mit eine SA-Mann zu Tode. Wer es getan hat ist nie herausgekommen. Der Todesfall wurde von der Ortspolizei Krefeld wie folgt gemeldet:
"Todesursache: Scharfe Bauchverletzung, eitrige Bauchfellentzündung." Nach 8 Tagen Krankenhaus war Josef Waldhoff tot, erstochen von einem SA-Mann der Standarte Feldherrnhalle aus Fichtenhain. Der Schuldige war der Standarte bekannt, sollte aber nicht entdeckt werden und wurde schnellstens versetzt.
Jupp Waldhoff starb am 22.12.1938, war verheiratet mit Paula Pesch.

Die Kegelgesellschaft Olympia hat bis 1986 bestanden. Es wurden halt immer weniger. Bis 1990 traf man sich noch regelmäßig am Stammtisch bei Gietz und heute ist nur noch Ehrenmitglied Ludwig Blum von den Gründern übrig geblieben. Dieser Freundeskreis, der etwa von 1951 - 1960 sogar Karnevalsveranstaltungen durchführte, hatte in Fischeln einen recht guten Namen.

Die alten Olympianer waren es dann auch die dafür sorgten, dass die Olympia wieder wach gerufen wurde. Das war nicht so einfach. Nicht alle geistlichen Herren sind sportbegeistert. Das galt auch für Pfarrer Dominik. Wie oft haben wir bei ihm gesessen um ihn umzustimmen. Wir kamen keinen Schritt bei ihm voran. Ludwig Blum hatte inzwischen mit den bereits wieder aufgelebten DJK-Vereinen Verbindung aufgenommen. Josef Porten und Winand Teusch waren seine Gesprächspartner. Sie konnten nur zur Wiedergründung raten. Der Bedarf sei da. Die alten Olympianer wußten das schon selbst. Ihre Kinder waren inzwischen soweit, dass sie Sport treiben wollten. Sie nahmen sich ein Herz und luden alle, die an ein Wiederaufleben der DJK Olympia interessiert waren zur Gründungsversammlung am 15.11.1956 ein. Das Interesse war groß.

Die Sportabteilung DJK Olympia lebte wieder auf.

Der Pfarrer wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. In den ersten Jahren haben die "Alten" dann geholfen, haben den 1. Vorsitzenden gestellt und die jungen Leute in die Vereinsführung angelernt. Die DJK Olympia stand in den ersten Jahren unter den Fittichen der "Alten" Olympianer. Der erste Vorsitzende war Cornelius Lethen. Nach seinem allzu frühen Ableben übernahm Max Röttges das Zepter. Sein fernes Domizil in Düsseldorf war Ursache, dass Theodor Hilgers für eine längere Zeit den Vorsitz übernahm. Die junge DJK Olympia stand in ihrer ersten Entwicklung immer unter den Fittichen der alten Olympianer.

Schon lange ist diese DJK Olympia erwachsen geworden und seit 1969 führen die jungen Leute sich selbst, genau so wie wir alten Olympianer es ehemals auch getan haben.

Hier sollte man einmal kurz auf den Unterschied zwischen der DJK vor 1934 und der DJK nach 1945 eingehen.
Die DJK vor 1934 war ein Sportverband neben den anderen deutschen Sportverbänden. Und zwar ein Verband mit eigener Regie und auch eigenen Meisterschaften. Prälat Wolker, der letzte Generalpräses vor dem nationalsozialistischen Regime, war auch der DJK Generalpräses nach 1945. Es ist sein Verdienst, wenn heute alle Sportler im DSB vereint sind. Er ist der Vater der Satzungen des DSB, wie es einmal der Präsident des DSB, Willi Daume, gesagt hat. Die DJK besteht auch heute noch als selbständiger Verband, aber nicht mehr neben den anderen Verbänden, sondern im DSB integriert. Die DJK Vereine spielen heute nicht mehr nur gegen DJK Vereine sondern gegen alle.

Das ist gut so und nicht nur Katholiken sind willkommen.

 

Mit frohem Mut wurde also neu begonnen. Zu Beginn standen Handball, Leichtathletik und Tischtennis auf dem Programm der DJK Olympia. Die Gruppe Leichtathletik nahm an verschiedenen Diözesansportfesten teil. Leider verflachte das Interesse nach und nach, so dass diese Gruppe sich mehr und mehr ebenfalls dem Handball verschrieb.

Die Tischtennisgruppe unter der Führung von Herbert Blum und Karl-Wilhelm Klumpers dagegen wuchs. In Kürze bemühten sich 2 Senioren-, 1 Damen- und 2 Jugendmannschaften um die Plätze an den Tischen. Leider waren damals die Raumprobleme einfach nicht zu lösen. Für das Training im unzulänglichen "alten Säälchen" mußten die Spielerinnen und Spieler das Heizmaterial selbst mitbringen. Es fehlten die nicht nur die Trainingsräume, es fehlten entsprechende Räume um Meisterschaftsspiele austragen zu können. Ein Beispiel: "aus Platzmangel" mußte für ein Meisterschaftsspiel ein ganzer Klassenraum der Südschule ausgeräumt werden. Es kam wie es kommen mußte, die so groß gewordene Tischtennisabteilung zerbrach an den ungelösten Raumproblemen.

So spezialisierte sich die DJK Olympia auf das Handballspiel. Ja, und wie sich die Bilder gleichen auch die junge DJK Olympia begann ihren Handballbetrieb zunächst auf der Sportanlage in Fichtenhain. Am 5.2.1956 war schon das erste Spiel. Die Handballer starteten mit 1 Senioren- und 2 Jugendmannschaften. Es vergingen aber über 10 Jahre, ehe die Senioren zu Erfolgen, zu Siegen kamen. Kaum zu glauben, die Jungens hielten trotzdem zusammen. Sie gaben einfach nicht auf. Das war eigentlich das, was uns alte Olympianer so viel Freude bereitete. Das war alter Olympianergeist. Die Stärke der DJK Olympia lag und liegt in dem guten Nachwuchs. Jugendliche kamen in die Stadtmannschaft und in Auswahlmannschaften des Westdeutschen Handball - Verbandes. 1969 nahmen Jugendliche des Vereins -einer in die DJK Auswahl Diözese Aachen berufen - an einem internationalen Handballturnier in Lüttich teil und wurden Pokalsieger. Für diese jungen Menschen war es ein unvergeßliches Erlebnis. 4 Olympianer, alt und jung, besuchten im Jahre 1960 die Olympiade in Rom.

 

Dank der heranwachsenden Jugendmannschaften bekamen die Senioren endlich Verstärkung, und die Erfolge blieben nicht aus. Die 1. Mannschaft hatte es inzwischen im Feldhandball bis zur Landesliga geschafft. Aber über 10 Jahre spielten sie in der 3. Kreisklasse, bis dann mit Hilfe der Jugend der Knoten platzte.

  • 1972 Meister der 2. Kreisklasse
  • 1973 Meister der 1. Kreisklasse
  • 1974 Meister der Kreisliga
  • 1975 Meister der Bezirksliga
  • 1976 Aufstieg in die Landesliga

4 Jahre hintereinander Aufstieg in die nächst höhere Klasse. Einen besseren Leistungsstandard gibt es einfach nicht, denn mehr wie Meister kann man nicht werden.

Am 9. Mai 1976 feierte die DJK Olympia im festlichen Rahmen ihr 50 jähriges Vereinsjubiläum. 9 Gründer konnten noch mitfeiern:

  • Ludwig Blum, geb. 25.01.1909
  • Heinrich Ehl, geb. 11.03.1909
  • Heinrich Crefeld, geb. 06.04.1908
  • Willi Gober, geb. 08.08.1907
  • Heinrich Gotzes, geb. 27.01.1906
  • Hans Hambloch, geb. 27.05.1911
  • Theodor Hilgers, geb. 07.10.1907
  • Hans Hürlimann, geb. 02.06.1910
  • Max Röttges, geb. 24.11.1908

Im Vorstand von DJK Olympia waren tätig:

  • 1. Vorsitzender: Kurt Müller seit 1969
  • 2. Vorsitzender: Peter Hannen
  • 1. Geschäftsführer: Hubert Hilgers seit 1958
  • 2. Geschäftsführer: Heinrich Abelen
  • 1. Kassierer: Herbert Blum seit 1963
  • 2. Kassierer: Hans Baldeau
  • Handballobmann: Heinz Königs
  • 1. Jugendwart: Karl-Wilhelm Reiners
  • 2. Jugendwart: Edmund Meulendick

Im September 1986 feierte die DJK Olympia das 60 jährige Bestehen im Pfarrsaal von St. Clemens. Leider gab es nur noch 5 Gründungsmitglieder Max Röttges, Ludwig Blum, Heinz Crefeld, Hans Hambloch und Theo Hilgers, die mitfeiern konnten. Im Vorstand hatte sich einiges verändert:

  • 1. Vorsitzender: Peter Hannen
  • 2. Vorsitzender: Stefan Hambloch
  • Handballobmann: Heinz Königs
  • Vertreter und Pressewart: Johannes Pingel - Held
  • Kassenwart: Herbert Blum
  • Vertreter: Hans Baldeau
  • Kassenprüfer: Michael Pingel
  • Kassenprüfer: Karl - Wilhelm Reiners
  • Zeug- und Gerätewart: Gino Barone
  • Sozialwart: Hubert Hilgers
  • Jugendwart: Hans Watzlawik

Der Aufstieg in die Landesliga im Jahre 1976, noch im damals aktuellen Großfeldhandball, war wohl der vorerst sportliche Höhepunkt der jungen DJK Olympia.

 

Im Hallenhandball spielt die DJK Olympia mit 3 Senioren- und 8 Jugendmannschaften. Viele Jahre stand Olympia an vorderster Stelle, aber zum Aufstieg reichte es noch nicht. Aber nun - 1994 - ist es geschafft. Tschüß Kreisliga konnte die erste Mannschaft nach dem letzten Meisterschaftsspiel gegen St. Hubert sagen. Der Aufstieg zur Bezirksliga war geschafft.

 Foto3

Das ist in der Vereinsgeschichte die höchste Spielklasse, die eine Mannschaft der Olympia im Hallenhandball erreicht hat.

 

Sie belegte in der Kreisliga mit 36 : 4 Punkten den ersten Tabellenplatz in der Saison 93/94. Lassen wir hier einmal Mannschaftskapitän Michael Zwart zu Wort kommen:

" Endlich ist er da, der lang ersehnte Aufstieg in die Bezirksliga. Vor Jahren belegten Heiner, Kalla & Co mehrmals den undankbaren zweiten Platz. Jetzt ist es uns endlich gelungen! Der Grundstein für den Aufstieg wurde vor 5 Jahren gelegt. Unser damaliger Trainer Manfred Baues stellte den "Stamm" der jetzigen Mannschaft zusammen.Manfred Lux konnte hierauf erfolgreich aufbauen. Er holte noch jeweils zwei Spieler aus der zweiten Mannschaftund der letztjährigen Meister A-Jugend ins Team. So konnten wir über einen Zeitraum von fast 5 Jahren zusammen wachsen. Durch die ausgezeichnete Jugendarbeit in diesem Verein werden auch in den nächsten Jahren gute Spieler folgen, so das die Bezirksliga nicht Endstation bleiben muß. Nach einer harten Vorbereitung begann die Saison mit Siegen gegen Hüls und KTK optimal. Damit hatten wir nicht gerechnet, zumal wir nicht mit der kompletten Mannschaft spielen konnten. KTK zählte neben Schiefbahn zu den Favoriten auf den Aufstieg. Wir wollten soweit als möglich oben landen. Nachdem wir dann auch Oppum und Marathon schlugen, standen wir mit 8 : 0 Punkten an der Tabellenspitze. Jetzt sollte natürlich die Position gehalten werden. Prompt gab es eine Niederlage gegen unseren Angstgegner Traar. Wir verloren nach unserer schlechtesten Saisonleitung mit 14 : 15. Danach folgen 14 : 0 Punkte in Folge bis zum Rückspiel gegen KTK. Das Spiel ging unglücklich mit 17 : 18 verloren. Bis zum Ende der Saison gaben wir dann keinen Punkt mehr ab. Jetzt haben wir schon mit der Vorbereitung auf die nächste Saison begonnen. Wenn wir weiterhin gut arbeiten und genügend Zuschauerunterstützung erhalten, sind wir bestimmt auch in der neuen Saison für eine Überraschung gut!"

In der Jugendabteilung herrscht reges Leben. Neben dem Spielbetrieb werden Jugendturniere am Ort und auch auswärts fleißig besucht. Wochenend- und Ferienfahrten wurden neben der traditionellen Weihnachtsfeier den Jugendlichen geboten. Die Jugendmannschaften von Olympia stehen nicht schlecht. Der Jugendwart Karl - Wilhelm Reiners hat allen Grund zur Freude. Lassen wir auch ihn zu Wort kommen:

"Nun sind Meisterschaft, Aufstiegsrunde und die eigenen Turniere gelaufen, und man kann Bilanz ziehen. Als Jugendwart sage ich, es war eine erfolgreiche Saison. A-Jugend und E1- Jugend sind Kreismeister. Die D1-Jugend scheiterte erst in den beiden Endspielen um die Kreismeisterschaft. C und F-Jugend wurden Dritter und die B-Jugend Vierter. Die D2-Jugend wurde Gruppenfünfter und die E2-Jugend Gruppensechster. Durch den Kreismeistertitel nahm die E1-Jugend an der Niederrhein-Meisterschaft teil. Die Vorrunde in Ratingen wurde überstanden. Dies bedeutete zu den 8 besten Mannschaften am Niederrhein zu zählen. Die Endrunde wurde in Krefeld ausgetragen. Das starke Teilnehmerfeld ließ keine bessere Plazierung mehr zu. Also am Ende Platz 8 am Niederrhein.

Ein toller Erfolg!

Den Aufstieg zur Oberliga versuchte unsere neue C-Jugend. Leider konnte dies nicht erreicht werden. Unsere Turniere am ersten Juni-Wochenende waren ein voller Erfolg. Obwohl das Wetter nicht so mitspielte, waren viele Besucher zu verzeichnen. Die Turniersiege in diesem Jahr gingen zweimal an den OSC Rheinhausen sowie an den VfL Rheinhausen und die Kreisauswahl Moers. Christa Kempen und ihre vielen Helfer hatten auf dem Schulhof für das leibliche Wohl unserer Gäste bestens gesorgt. An zwei Tagen wurde wieder eine große Tombola ausgespielt, um deren Lose sich die Leute rissen."

An Mitgliedern zählt die DJK Olympia im aktiven Bereich 86, dazu kommt seit Mai 1991 eine Gymnastikgruppe mit 49 Teilnehmern, in der Hauptsache Frauen. Die Jugendabteilung zählt 1994 124 Mitglieder. Über 20 Betreuer und Helfer - vor allem für die Jugendmannschaften - waren tätig.

Für die geleistete Arbeit kann man nur herzlich Danke sagen.

Geistlicher Beirat ist der jeweilige Kaplan von St. Clemens, der dafür sorgt, dass die Verbindung zur Clemenskirche nicht verloren geht, zur Zeit Kpl. Bohnen.

Der Vorstand 1994:

  • 1. Vorsitzender Peter Hannen
  • 2. Vorsitzender Peter Greins
  • 1. Kassierer Herbert Blum
  • 2. Kassierer Peter Greins
  • Handballobmann Heinz König
  • sGeschäftsführer Michael Pingel
  • Sozialwart Hubert Hilgers
  • Pressewart Eckart Launert
  • Frauenwartin Karin Wolf
  • Zeugwart Christof Loch
  • Jugendwart Karl - Wilh. Reiners
  • Jugendgeschäftsführer Hans Baldeau

Vereinslokal Gaststätte Gietz, Marienstraße Treffen Mittwochs ab 20.00 Uhr

Die Jugendarbeit stand und steht im Vordergrund bei der DJK Olympia. Die 8 Jugendmannschaften, die zur Zeit am Meisterschaftsgeschehen teilnehmen, sind der beste Beweis dafür. Heute kann die DJK Olympia auf ein 68 jähriges Bestehen zurückblicken. Das ist gewiß ein Anlaß zu besonderer Freude, war aber auch der Anlaß zu einem Rückblick in die Vergangenheit. In eine Vergangenheit, die wirklich nicht nur auf Rosen gebettet war.
Wie schwer das war, das kann nur der ermessen, der diese Zeiten persönlich und aktiv miterlebt hat. Es war anfangs recht schwierig, Einzelheiten aus der Geschichte des Vereins ans Licht zu bringen. Alle offiziellen Unterlagenwaren vernichtet, aber es gab Fotos und hier und da Unterlagen bei den Ehemaligen und dann kamen die Erinnerungen. Sogar ein Geschäftsbuch 1926 - 1929 fand sich wieder. So kam denn doch ein echtes Bild der DJK Olympia 1926 zustande.

Vor Jahren tauchte sogar die alte Tischfahne aus dem Jahre 1926 wieder auf. Dieser Wimpel war auf dem Speicher eines ehemaligen Olympianers runde 25 Jahre versteckt gewesen. Er wurde den jungen Olympianern zur Verfügung gestellt und nimmt heute bei Veranstaltungen einen Ehrenplatz ein.

Heute kann man nur mit Hochachtung von all denen reden, die in all den Jahren an und in der DJK Olympia gearbeitet haben. Freuen wir uns darüber, dass hier eine Gemeinschaft steht, die in guten wie in schlechten Tagen treu zusammen hält.

 

Der katholische Sportverband Deutsche Jugendkraft (DJK) hat heute mehr als eine halbe Million Mitglieder so viele wie noch nie seit der Wiedergründung 1947. Es gibt z. Zt. 1207 DJK Vereine.

Wünschen wir der DJK Olympia Fischeln für kommende Zeiten ein erfolgreiches Blühen, Wachsen und Gedeihen.

 

Ludwig Blum

Der letze der Mohikaner. (Der noch übriggebliebene Gründer von 1926.)

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